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Niere (Nephritis Pyelonephritis ANI CNI) Blasenentzündungen (Cystitis)

Die paarweise angelegte Niere ist ein komplexer Filtermechanismus. Über aktive und passive Vorgänge, welche einer präzisen Steuerung folgen, werden Giftstoffe aus dem Blut entfernt, der pHWert sowie der Blutdruck geregelt, der Elektrolythaushalt gesteuert, Vitamine und Hormone freigesetzt. Aufgrund Ihrer Wichtigkeit für den Organismus besitzen die Nieren große Reserven: Erkrankungen werden häufig erst sichtbar wenn mehr als 70% der Funktion gestört sind.

Aufbau der Niere:

Die Niere ist bei Hund und Katze von bohnenartiger Form. Die kräftigen Gefäße, die Arteria und Vena renalis sowie der Harnleiter, welcher Urin in die Blase leitet, laufen in die Mitte des Organs. Umgeben ist die Niere von einer bindegewebigen Nierenkapsel.

1. Nierenpyramide, Interlobulararterien, 3. A. renalis, 4. V. renalis, 5. Hilus, 6. Nierenbecken, 7. Ureter, 8. Nierenkelch, 9.-11. Nierenkapsel, 12. Interlobularvene, 13. Nephron, 14./15. Nierenkelch, 16. Nierenpapille, 17. Nierenpyramide

Bei einem Querschnitt durch die Niere lässt sich das mittige Nierenbecken erkennen, welches von Nierenmark und der äußeren Nierenrinde umgeben ist. Dieser anatomische Grundaufbau lässt sich mit einem Ultraschallgerät auch beim lebenden Tier ausgezeichnet kontrollieren.

Der mikroskopische Aufbau der Niere ist ziemlich kompliziert. Eine funktionelle Einheit der Niere bezeichnet man als Nephron - jede Niere besitzt mehrere hunderttausend Nephrone. Unterteilt werden die Nephrone in Nierenkörperchen (Malphigi-Körper) und Nierenkanälchen (Tubuli). Die Körperchen sitzen in der Nierenrinde, die Kanälchen im Mark.

Grob beschrieben filtern die Nierenkörperchen kontinuierlich das Blut und produzieren den Primärharn, welcher im angeschlossenen System der Kanälchen aktiv und passiv konzentriert wird. Von dort aus gelangt der Harn ins Nierenbecken und über den Harnleiter in die Blase.

Die Probleme der Niere bzw. der harnableitenden Wege lassen sich in Ihre Lokalisation unterteilen:

I. Nierenentzündungen (Nephritis)

Eine Nierenentzündung lässt sich unterteilen in eine eine klassische Glomerulonephritis (umfasst eine Entzündung der Glomerula und Bowman-Kapsel, später auch der Tubuli, Interstitium und Kapillarschlingen) und eine interstitielle Nephritis (Entzündung geht von Interstitium aus). Ausgelöst wird sie durch Infektionen oder Autoimmunerkrankungen; hierbei kommt es zu Ablagerungen von Erregern oder Immunkomplexen in der Glomerula und einer darauffolgenden Entzündungsreaktion. Gekennzeichnet ist die Glomerulonephritis durch Proteine im Urin („Proteinlosing nephropathie“). Durch die hohen Proteinverluste kommt es nach und nach zu einem Proteinmangel, da die Leber nicht mehr ausreichend Proteine synthetisieren kann. Durch die Mobilisierung dieser Proteinbildung kommt es auch zu einer starken Erhöhung von Cholesterin im Blut sowie erhöhtem Blutdruck (übrigens ist insbesondere deswegen EPA ideal zur unterstützenden Nierentherapie: Eicosapentaensäure senkt nachweislich den Blutdruck und verringert außerdem die Cholesterinmenge im Blut.)

Typische Symptome einer Glomerulonephritis sind diffus, eventuell fallen bei einer Harnuntersuchung die Proteinurie auf. Polyurie (vermehrtes urinieren), Polydipsie (vermehrtes trinken) sowie Sekundärerkrankungen durch den Bluthochdruck (Augen- oder Kreislaufprobleme) kommen vor.

Die Behandlung sollte eine Ausschaltung der Ursache umfassen, dies ist jedoch häufig nicht möglich. Aus diesem Grund wird die Erkrankung (wie eigentlich fast alle Nierenerkrankungen) symptomatisch behandelt:

- Spezielle Fütterung (Tierarztdiät) mit reduzierten Eiweiß- und Phosphatgehalt

- Unterstützende Fütterung von Phosphatbindern, Kalium, Vitamin B-Komplex sind möglich

- Blutdrucksenkung mit ACE-Hemmern (Ramipril, Benazepril) oder selektiven AT-1-Antagonisten (Telmisartan)

- Lipid- und Blutdrucksenkung durch Omega-3-Fettsäuren (insbesondere EPA)

- Je nach Ausprägung der Symptome weitere Medikamente (Immunsuppressiva, Blutdrucksenker, …)

II. Nieren- und Nierenbeckenentzündungen (Pyelonephritis)

Wie der Name schon sagt betrifft diese Nierenerkrankung auch das Nierenbecken. Diese Krankheit wird stets durch Bakterien ausgelöst und entsteht deszendierend (als absteigend durch Erreger aus der Niere bzw. dem Blut) oder aszendierend (aufsteigend, durch Erreger aus dem Urin). Die aufsteigende Form einer Pyelonephritis wird durch einen Rückstau von Harn (z.B. durch eine chronische Blasenentzündung oder Harnsteine) begünstigt.

Bakterien wie E.coli, Klebsiellen, Streptococcen oder Staphylokokken können sich an der Schleimhautauskleidung des Nierenbeckens anheften und eine hartnäckige Entzündung provozieren. Eine Pyelonephritis zeigt sich durch vermehrtes Trinken und urinieren.

In der Tierarztpraxis kann eine schmerzhafte Nierenregion bemerkt werden, in der Urinuntersuchung werden häufig Bakterien, Entzündungszellen und Blut festgestellt. Die Niere versucht die Erreger „auszuspülen“, weshalb der Harn häufig eine sehr geringe Dichte aufweist (SG < 1.008, „Hyposthenurie“).

Die Therapie einer Pyelonephritis besteht in einer gezielten Antibiotischen Behandlung, im Idealfall wird vorher ein Antibiogramm und ein Resistenztest durchgeführt. Je nach isoliertem Erreger ist eine mehrwöchige Therapie nötig. Unterstützt werden sollte die Therapie durch eine Nierendiät sowie eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA, um die Entzündungsreaktion in der Niere besser kontrollieren zu können. Zudem verbessert EPA die Nierendurchblutung.

III. Akute Nieren Insuffizienz (ANI)

Als akute Nieren Insuffizienz bezeichnet man den plötzlichen Verlust einer ausreichenden Funktion der Niere bis zu einem Grad, der diese Schädigung erkennen lässt. Verschiedenste Vergiftungen (Endo- und Exotoxine), Infektionserkrankungen sowie ein Harnrückstau (Stauungsniere) können der ursprüngliche Auslöser sein.

Die Symptome sind akutes Erbrechen, Durchfall, vermehrtes Trinken und Urinieren bis hin zum absoluten Stop von Wasseraufnahme und Urinabsatz. Der Bauch des Tieres ist häufig schmerzhaft. Bei Katzen und kleinen Hunden lassen sich häufig aufgetriebene, geschwollene Nieren ertasten, dieser Befund kann im Ultraschall oder Röntgen bestätigt werden.

In der Blutuntersuchung finden sich meistens hochgradige Verschiebungen der Elektrolyte, des Säure-Basen-Haushalts sowie der „Nierenwerte“ Harnstoff und Kreatinin.

Die sofortige Behandlung umfasst eine gezielte Infusionstherapie sowie das Herausfinden und Stoppen der Grundursache (Behandlung der Infektion, Behebung der Abflussstörung, …).

Gelingt es die akuten Symptome der ANI zu kontrollieren können sich die Nieren häufig vollständig erholen. Dabei wird die Regeneration im Idealfall durch eine Nierendiät, eine Durchblutungsförderung und hochdosierte Gabe von Eicosapentaensäure (EPA) unterstützt.

IV. Chronische Nieren Insuffizienz (CNI)

Die chronische Niereninsuffizienz ist die wohl am häufigsten angetroffene Nierenerkrankung bei Hunden und vor allem bei Katzen. Die CNI mündet in einem Nierenversagen. Der Prozess einer CNI erstreckt sich über Monate, eventuell über Jahre und entwickelt sich schleichend. Die Ursachen sind vielfältig und werden kontrovers diskutiert.

Die CNI wird von der IRIS (International Renal Interest Society) in vier Stadien eingestuft, welche den voranschreitenden Verlust der Nierenfunktion beschreiben.

Stadium I: bleibt häufig lange unentdeckt. Der Funktionsverlust der Niere ist geringer als 65%, die Werte von Kalium, Harnstoff und Kreatinin liegen innerhalb der Referenzwerte. Der Blutdruck ist noch normal, der Harn wird etwas geringer konzentriert.

Stadium II: der Funktionsverlust der Niere liegt zwischen 65 - 75%. Es kann zu ersten Abweichungen von Kaliumwerten und Harnstoff kommen. Der Blutdruck erhöht sich leicht, der Kreatininwert steigt. Die Tiere trinken vermehrt und scheiden mehr Urin aus. Meistens geht auch das Hungergefühl zurück, auch die Aktivität lässt nach. Durch die verringerte Bildung von Erythropoetin kommt es zu einer aregenerativen Anämie. Phophatwerte steigen an.

Stadium III: Der Funktionsverlust der Niere liegt nun bei 75 - 90%. Durch den steigenden Blutharnstoff kommt es zu einem urämischen Nierenversagen. Kreatininwerte liegen zwischen 2,9 - 5,0 mg/dl. Die Filtration der Niere ist deutlich gestört, ein Bluthochdruck liegt vor. Die Tiere trinken und urinieren sehr viel, zusätzlich stellt sich häufig Erbrechen ein. Durch vermehrte Kaliumverluste kann es zu einer Hypokaliämie kommen.

Stadium IV: das Endstadium einer CNI. Mehr als 90% der Niere sind zerstört und es kommt zu einer urämischen Krise. Der Kreatininwert liegt über 5 mg/dl, der Bluthochdruck über 180 mmHg. Diverse Sekundärprobleme sind die Folge. Unbehandelt kommt es zu epileptischen Anfällen, Koma und dem Tod des Tieres.

Die Diagnose einer CNI erfolgt über die Kombination aus Blutwerten (vor allem Kalium, Kreatinin und Urea (Blutharnstoff)), einer Urinuntersuchung (Dichtemessung, Bestimmung von Leukozyten, Proteinen, Kreatinin, Glucose und Blut) sowie einer Ultraschalluntersuchung. Im Ultraschall können häufig Zysten (insbesondere bei Katzen gibt es die PKD - Polyzystische Nierenkrankheit) und eine generelle Verkleinerung der Nieren festgestellt werden.

Da in den allermeisten Fällen keine Grundursache für eine CNI festgestellt werden kann, besteht die Therapie vor allem in einer Behandlung der Symptome und einer Verbesserung der Nierendurchblutung.

- Eine spezielle Nierendiät verringert die Eiweißzufuhr und beinhaltet reduzierte Natrium- und Phosphatgehalte. Alternativ können Phosphatbinder eingesetzt werden.

- Blutdrucksenker werden bei Bluthochdruck und zur Verbesserung der Nierendurchblutung eingesetzt.

- Antiemetika werden genutzt um die Übelkeit zu lindern.

- Infusionstherapien werden intensiv genutzt da durch die vermehrte Flüssigkeitszufuhr Giftstoffe besser entfernt und die Nieren entlastet werden können. Infusionstherapien können sowohl stationär beim Tierarzt als auch durch implantierte Subcutan-Katheter zuhause durchgeführt werden.

- Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA, verbessern die Nierenfunktion und die Durchblutung der Nieren.

V. Blasenentzündungen (Zystitis) und andere Probleme der Harnabführenden Wege

Die Blasenentzündung beim Tier kann viele Ursachen haben. Die häufigsten Ursachen sind bakterielle Infektionen, stress-bedingte Blasenprobleme oder Kristallbildung. Die Symptome einer Zystitis sind vor allem ein erhöhter Harnabsatz (Strangisurie), vermehrte Harnbildung (Polyurie), vermehrtes Trinken (Polydipsie), seltener Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen.

1. Bakterielle Blaseninfektionen (Zystitis)

Eine bakterielle Zystitis kann durch aufsteigende Erreger aus der Umwelt (über den Penis bzw. die Vagina) oder absteigend in Folge einer Nierenentzündung ausgelöst werden. Die häufigsten in der Blase nachgewiesenen Erreger sind gram-negative Keime wie E.coli, Proteus spp., Klebsiellen und Pseudomonaden sowie Staphylokokken und Streptokokken. Während vor allem Proteus, Klebstellen und Pseudomonaden ein sehr unangenehmes Resistenzmuster aufweisen können sind Staphylokokken und Streptokokken in der Lage, die innere Blasenschleimhaut zu durchdringen und sich überaus hartnäckig in der Blase festzusetzen. Zudem kann eine sekundäre Kristallbildung die Probleme verschlimmern und sogar eine Urolithiasis entstehen lassen.

Die Diagnose einer Zystitis erfolgt über eine Harnuntersuchung: im Urin finden sich meistens Blut, Proteine, ein hoher pH-Wert bei normaler Urindichte sowie Leukozyten. Passen klinische Symptome und die Befunde der Harnuntersuchung zusammen, kann eine initiale Therapie gestartet werden. Häufig werden Amoxicillin-Clavulansäure, Enrofloxacin oder Trimethoprim-Sulfonamide verwendet. Zur Rezidivprophylaxe kann das Antibiotikum Nitrofurantoin über mehrere Wochen angewandt werden.

Bei Rezidiven, Fällen mit eingeschränktem Allgemeinbefinden des Tieres oder chronischen Zystitiden sollte die Diagnostik eine sterile bakteriologische Untersuchung, Röntgen sowie eine Ultraschalluntersuchung umfassen um andere Differentialdiagnosen ausschließen zu können. Manchmal muss die antibiotische Behandlung über mehrere Wochen fortgeführt werden.

Die Fütterung von EPA hilft bei der Regulation von Entzündungssymptomen im Bereich der Blasenwand und kann helfen, einen chronischen Verlauf zu verhindern.

2. Stress-Bedingte Blasenprobleme (Katze: FLUTD (feline lower urinary tract disease)):

Stress kann ein entscheidender Faktor bei der Entstehung von Blasenproblemen bei Hund und Katze sein. Der pathologische Mechanismus dahinter: Stress führt zu einer vermehrten Katecholamin- und Cortisolausschüttung, dadurch werden Schleimhäute geschädigt, natürliche Abwehrmechanismen gestört und es kommt zur Bildung von Eiweiß-Kristall-Verklumpungen. Insbesondere bei Katzen wird so die FLUTD in Gang gesetzt, welche sich leicht in ein chronisches Problem verwandeln kann.

Zu möglichen Stressfaktoren zählen: Tierpensionen, Umzüge, Reisen, Umstellungen im Haushalt, neue Tiere/Menschen und viele andere Ursachen, die nicht immer als „Stress“ wahrgenommen werden müssen.

Die entstandenen Kristalle und eine daraus resultierende, schnell chronisch werdende Entzündung, führen zu erheblichen Harnabsatzbeschwerden bis hin zum Harnstau.

Die Diagnose erfolgt durch eine Untersuchung von Harnsediment sowie über eine Ultraschalluntersuchung.

Die Therapie liegt primär in der Beseitigung der Stressursachen sowie einer langanhaltenden antibiotischen und entzündungshemmenden Behandlung. Frühzeitig erkannt kann so die Kristallbildung verhindert werden. Unterstützend können beruhigende Ergänzungsfuttermittel (LCasein, Tryptophan, Vitamin B6, Magnesium) gefüttert werden.

EPA als wirksame, natürliche Entzündungshemmung kann ebenso wirksam sein wie konservative Medikamente. Empfehlenswert sind ebenfalls Cranberrie-Extrakt (Cysti-Cran), Chondroitinsulfat zum Schutz der Schleimhäute sowie Vitamin C.

3. Blasensteine, Kristallurie (Urolithiasis)

Blasensteine können bei Hunden und Katzen entstehen, bei Katzen ist die Krankheit jedoch häufiger. Der Grund liegt vermutlich im Ursprung der Katzen als Wüstentier und der im Vergleich zum Hund geringeren Wasseraufnahme.

Die häufigsten Steine sind Struvitsteine (Magnesium-Ammonium-Phopsphat, ca. 80% aller Steine), gefolgt von Calcium-Oxalatsteinen, Calcium-Phosphatsteinen, Uratsteinen (Dalmatiner), Zystinsteinen (Dackel, Basset) und gemischten Steinen. Die Ursache einer Steinbildung kann genetisch bedingt sein, metabolische Ursprünge haben, von einer falschen Fütterung kommen oder umgebungsbedingt sein.

Die Symptome unterscheiden sich je nach Stein und vor allem Geschlecht: während es bei Rüden bzw. Katern mit geschwundenen und relativ engen Harnröhren häufig zu einem Harnröhrenverschluss mit Harnstau kommt, kann eine Steinbildung bei Hündinnen und Katzen mit kürzeren, geraden Harnröhren auch lange symptomlos bleiben. So dominieren beim Rüden das häufige Urinabsetzen (Pollakisurie), wobei nur Tröpfchen sichtbar sind (Strangisurie), auch in Verbindung mit Schmerzanzeichen. Bei Hündinnen fehlt die Pollakisurie, es kommen jedoch Blut im Harn (Hämaturie), Druckschmerz, Strangulier und eine generelle Erkrankung genau wie beim Rüden vor. Unbehandelt kommt es zu einem schweren Harnstau, welcher lebensgefährlich werden kann.

Die Diagnose wird über die Ultraschall, Röntgen und/oder Harnuntersuchungen gestellt.